| Meine Dudelsäcke der "G-Familie" |
| Hier meine Dudelsäcke in G und A. Die Schalmeien die ich hier vorstelle, entsprechen dem heute üblichen Standard, das heisst: halbgeschlossene Griffweise, drei überblasene Töne, alle Halbtöne spielbar (nur für die kleine Sekunde ist eine Klappe erforderlich), kurz, es ist die Spielpfeife die sich in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt hat. Sie ist bekanntlich aus der französischen Berrichonne-Schalmei entwickelt worden. Sie hat sich bewährt. Meine Version dieser Schalmei ist vor allem für das Zusammenspiel gedacht. Sie ist etwas leiser als üblich. Die Kombination mit gezielt obertonreichen Bordunen sorgt jedoch für einen tragenden Klang. |
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| Die tiefen Lagen |
| Hier mein Dudelsack in tief D. Auch bei dieser Schalmei habe ich mir bei der Entwicklung das harmonische Zusammenspiel mit weniger durchdringend klingenden Instrumenten als Ziel gesetzt. Ich habe mich, nach langer Überlegung, für die halbgeschlossene Griffweise entschieden. Die Vorteile der offenen Griffweise hoffe ich später mit einem entsprechend gebauten Instrument zu würdigen. Die Schalmei überbläst bis zur Duodezime (Quinte in der zweiten Oktave). |
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| Die anderen |
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Die Wiener Schalmei Diese Schalmei stelle ich vor, weil sie äusserst interessant ist. Ich werde sie nicht für den Verkauf herstellen. Sie ist eine exakte Kopie der „Wiener“ Schalmei, so genannt, weil das Original sich im Wiener Kunsthistorischen Museum hinter Glas befindet. Obwohl der sogenannte „Flämische“ Dudelsack, oder die „Schäferpfeife“ in zahllosen historischen Abbildungen bestens dokumentiert wurde und man daraus schliessen kann, dass es davon unzählige Exemplare gegeben haben muss, ist dieses Instrument das einzige dieser Gattung, das erhalten ist. Ich habe das Glück gehabt, von einem freundlichen Bekannten äusserst genaue Aufzeichnungen über das Instrument bekommen zu haben. Ich möchte ihm an dieser Stelle nochmals herzlich dafür danken. Ich konnte das Innenleben der Schalmei also genau nachbauen. Ich habe nicht versucht, die Gestaltung zu kopieren. Hier der Klang des Instruments, für das ich ein gut funktionierendes Rohrblatt gemacht habe. Andere Rohrblattformen ergeben andere, ebenfalls brauchbare Resultate. Ich habe einen passenden Bordun nach meiner Vorstellung hinzugefügt. Ich bin der Überzeugung, dass die Bordune des Wiener Exemplars ursprünglich nicht zu dieser Schalmei gehörten. Beweisen kann ich das aber nicht. Für den Klang und die Spielmöglichkeiten der Schalmei spielt das aber auch keine Rolle. Ich betrachte dieses Instrument
als
eine Möglichkeit, nach seinem Vorbild eine andere Art von
Schalmeien zu entwickeln als die, welche wir tagtäglich spielen.
Die bequeme Spielbarkeit der Berrichonne-Schalmei hat sicher dazu
geführt, dass wieder viele Menschen den Dudelsack als
vollwertiges Instrument anerkennen. Es ist jedoch wünschenswert,
auch einen alternativen Klang mit andersartiger Spieltechnik
wahrzunehmen. Vielleicht können wir demnächst dann auch mit
ruhigem Gewissen von „Schäferpfeifen“ reden. |
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Die Muchosa Im einmalig schönen Musikinstrumenten-Museum in Brüssel (MIM) ruhen 3 Muchosa's. Es sind Dudelsäcke die in Belgien und Nordfrankreich bis Anfang des 20. JH gespielt wurden. Lediglich diese drei Exemplare wurden aufgefunden. Seit der Wiederbelebung der Bordunmusik in den 1970-er Jahren wurden viele sogenannte Muchosa's in Belgien gebaut. Die Tatsache, dass dieses Instrument einige Merkmale aufweist die sich von den heutigen Vorstellungen einer „richtigen“ Schalmei drastisch unterscheiden, führte dazu, dass die nachgebauten Muchosa's der Berrichonne-Schalmei auffallend ähnelten. Die Muchosa entsprach nicht der Norm und wurde somit kurzerhand „verbessert“. Der Original-Charakter wurde vernichtet. Auf
Anregung von
Jan Soete (Dudelsackhersteller in Belgien) habe ich im Jahre 2004
beschlossen, für die exakte Nachbildung der Original-Schalmei
(Nr. 2701 MIM, Konstruktionsplan von Olle Geris) ein passendes
Rohrblatt zu machen. Das gelang mir binnen zwei Tagen. Es ist nicht
nötig,
die Griffloch-Anordnung zu ändern, wie es meistens geschah. Das
extrem hoch platzierte Kleinfingerloch wurde als Fehler betrachtet.
Als ob die damaligen Hersteller beharrlich einen bekannten Fehler
mutwillig wiederholen würden: Alle drei Exemplare zeigen nahezu
identische Grifflochpositionen. Hier also
ein
Nachbau des Exemplars 2701 MIM. Das Instrument steht in B. |
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Die Schäferpfeife
Die Existenz des wiener Vorbildes war bekannt, wurde aber ignoriert. Statt dessen wurde die Schalmei aus der Berry auserkoren um unsere sogenannte „Schäferpfeifen“ zu zieren. Die echte Schäferpfeife ist anders. Der Klang ist unverkennbar, die möglichen Spieltechniken sind vielfältiger als die der Berrichonne. Sie warten darauf entdeckt zu werden. Die erste Version dieser Schalmei habe ich nach der Beschreibung und Empfehlung von Michael Praetorius (Syntagma Musicum, 1619) gebaut. Will heissen: der Grundton befindet sich in der Mitte der Schalmei (i.e. linke Hand geschlossen, rechte Hand offen; anders ausgedrückt: plagaler Modus). Die Bordune sind in Quinte gestimmt, der Grosse Bordun spielt den Grundton. Die von Praetorius bemängelte, „falsche“ Stimmung der oberen Schalmeitöne ist in der Originalversion eine Tatsache. Seine Empfehlung, das „Problem“ durch Hinzufügen eines Daumenloches zu lösen ist so einfach, wie logisch, wie wirkungsvoll. Ich habe das gemacht. Bleibt nur die Frage, warum die alten Meister es nicht taten. Gewiss nicht, weil sie zu dumm waren, oder ihre Bohrer schonen wollten. Sie wollten offenbar die Tonleiter genau so haben wie es die Daumenlochlose ergibt. Für die heutige, glatt gebügelte Hörgewohnheit hat eine solche Tonleiter aber einen recht herben Charakter, zu dessen Milderung ich eben das Daumenloch hinzugefügt habe. Das Resultat ist ein Dudelsack mit einer völlig anderen Charakteristik als die heute gebräuchlichen und dazu mit mehr Spielmöglichkeiten. Die erste Version steht in E/A
(Grundton= A). Weitere Informationen zu dieser
Schalmei und zur Begründung ihres Namens könnnen hier als pdf herunter geladen werden. |
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Der Brueghel-Dudelsack Es war nahe liegend, nach der Rekonstruktion der Praetorius-Schalmei (E/A) jetzt auch eine gleichartige in D zu bauen. Das war mit dem gleichen Rohrblatt-Typus auch problemlos möglich. Und wenn das so einfach machbar ist, kann man sicher sein, dass es eine solche Schalmei früher auch gegeben hat. Die Suche nach einem ikonografischen Nachweis für diese tiefere Variante war ebenfalls sehr schnell erfolgreich: Brueghel! Kurz zusammengefasst, nehme ich an, dass die Schalmei von Brueghel in etwa im heutigen D stand. Es gab für diese Schalmei zwei Dudelsack-Ausführungen: einmal im plagalen und einmal im authentischen Modus. Für nähere Erklärungen und Begründungen dieser Theorie verweise ich auf diesen Artikel (als pdf-download). Hier also ein Vorschlag, wie der Brueghel-Dudelsack geklungen haben könnte. In diesem Fall mit Quint-Bordunen in "authentischer" Anordnung. Die Schalmei ist bau- und spieltechnisch mit der oben beschriebenen Schäferpfeife identisch, nur halt einen Ton tiefer gestimmt, und somit ungefähr in der Tonhöhe, die Praetorius für niederländische Instrumente beschrieben hat. |
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